Die ehrliche Antwort lautet: meistens ja, aber nicht immer. Ob sich Mieterstrom für Ihr Gebäude lohnt, hängt von wenigen, klar benennbaren Faktoren ab. Hier finden Sie alle Kostenpositionen, eine realistische Beispielrechnung und die Bedingungen, unter denen ein Projekt scheitert.
Viele Wirtschaftlichkeitsrechnungen im Netz nennen nur die Anlagenkosten. Das führt zu unrealistischen Erwartungen. Für eine belastbare Kalkulation gehören diese Positionen dazu:
| Position | Größenordnung (70 kWp) |
|---|---|
| PV-Module, Wechselrichter, Unterkonstruktion | 45.000 – 55.000 € |
| Montage und Elektroinstallation | 12.000 – 18.000 € |
| Messkonzept, Zählerschrank, Unterzähler | 6.000 – 12.000 € |
| Planung, Statik, Netzanschluss, Anmeldung | 4.000 – 8.000 € |
| Gesamt vor Förderung | 67.000 – 93.000 € |
| Position | Größenordnung |
|---|---|
| Messstellenbetrieb und Abrechnung | 60 – 120 € je Wohneinheit |
| Wartung, Monitoring, Reinigung | 800 – 1.500 € |
| Versicherung | 300 – 600 € |
| Reststrombeschaffung | abhängig vom Zukauf |
Der häufigste Rechenfehler: Die Kosten für das Messkonzept werden unterschätzt. Bei älteren Hamburger Bestandsgebäuden mit veralteten Zählerschränken kann dieser Posten deutlich höher ausfallen als in Neubauten.
Mieterstrom verdient auf drei Wegen gleichzeitig. Das ist der Grund, warum sich das Modell trotz höherer Anfangsinvestition oft schneller amortisiert als eine reine Einspeiseanlage.
Der größte Einnahmeblock. Sie verkaufen Strom zu einem Preis, der gesetzlich maximal 90 Prozent des lokalen Grundversorgungstarifs betragen darf. Da Ihre Erzeugungskosten deutlich darunter liegen, entsteht hier die eigentliche Marge.
Für jede an Mieter gelieferte Kilowattstunde erhalten Sie zusätzlich einen staatlichen Zuschlag. Dieser ist über 20 Jahre gesetzlich garantiert und macht das Modell planbar.
Strom, den Ihre Mieter nicht verbrauchen, geht ins öffentliche Netz und wird nach EEG vergütet. Keine erzeugte Kilowattstunde bleibt ungenutzt.
Entscheidend für Ihre Rendite ist die Direktverbrauchsquote – also der Anteil des Solarstroms, den Ihre Mieter tatsächlich abnehmen. Je höher diese Quote, desto besser, weil der Verkauf an Mieter deutlich mehr einbringt als die Einspeisung.
Ein typisches Hamburger Mehrfamilienhaus, Baujahr 1970er, Satteldach mit Südwestausrichtung, 16 Wohneinheiten. Die Anlage ist mit 70 kWp ausgelegt.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Anlagenleistung | 70 kWp |
| Jahresertrag (Hamburg, ca. 950 kWh/kWp) | ca. 66.500 kWh |
| Direktverbrauch durch Mieter (ca. 45 %) | ca. 30.000 kWh |
| Netzeinspeisung Überschuss | ca. 36.500 kWh |
| Investition vor Förderung | ca. 75.000 € |
| Abzüglich KfW- und IFB-Förderung | ca. –18.000 € |
| Effektive Investition | ca. 57.000 € |
| Jahreseinnahmen brutto | ca. 9.500 € |
| Abzüglich laufende Kosten | ca. –3.200 € |
| Jahresüberschuss | ca. 6.300 € |
| Amortisation | ca. 9 Jahre |
Über die garantierte Laufzeit von 20 Jahren ergibt sich daraus ein Gesamtüberschuss im Bereich von etwa 120.000 bis 130.000 Euro – bei einer effektiven Investition von rund 57.000 Euro.
Diese Rechnung ist ein Modell, kein Versprechen. Die tatsächlichen Werte hängen von Dachausrichtung, Verschattung, Verbrauchsverhalten Ihrer Mieter, Teilnahmequote und der aktuellen Förderlage ab. Eine seriöse Prognose braucht immer die konkreten Gebäudedaten.
Damit Sie nicht in ein Projekt investieren, das die Erwartungen nicht erfüllt, hier die Konstellationen, in denen wir offen abraten:
Wenn einer dieser Punkte auf Ihr Gebäude zutrifft, heißt das nicht automatisch das Aus. Bei Verschattung etwa können Leistungsoptimierer helfen, und bei kleineren Gebäuden lohnt manchmal eine gemeinsame Lösung mit dem Nachbargebäude. Prüfen lassen sollten Sie es in jedem Fall.
Bei einem typischen Hamburger Mehrfamilienhaus mit guter Dachausrichtung und ausreichender Teilnahmequote liegt die Amortisationszeit bei etwa 8 bis 10 Jahren nach Abzug der Förderung. Entscheidend ist vor allem die Direktverbrauchsquote der Mieter.
Realistisch sind je nach Gebäude und Förderhöhe etwa 6 bis 10 Prozent jährliche Rendite auf das eingesetzte Kapital. Das liegt deutlich über einer reinen Einspeiseanlage, weil der Stromverkauf an Mieter mehr einbringt als die Einspeisevergütung.
Nach Ablauf der garantierten EEG-Vergütung läuft die Anlage technisch weiter – moderne Module haben Laufzeiten von 25 bis 30 Jahren. Der Mieterstromzuschlag entfällt dann, der Direktverkauf an Ihre Mieter bleibt aber möglich und wird bei steigenden Strompreisen sogar attraktiver.
Seit 2023 sind Einnahmen aus PV-Anlagen bis 30 kWp auf Wohngebäuden einkommensteuerbefreit, und beim Kauf gilt der Umsatzsteuersatz von null Prozent. Bei größeren Anlagen wie im Beispiel gelten andere Regeln – hier sollten Sie unbedingt Ihren Steuerberater einbeziehen, da die Gestaltung erheblichen Einfluss auf die Rendite hat.
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